Die Geschichte Glatz‘ erzählen nicht nur die wichtigsten Denkmäler und Sehenswürdigkeiten der Stadt, sonder auch weniger bekannte Orte, die fast vergessen, geheimnisvoll und rätselhaft sind.

Die Wanderung durch die vergessene Route kann man ab der nördlichen Frontfassade nach unten entlang der Tschechischen Straße beginnen. Dies ist der älteste Kommunikationsweg der Stadt, der entlang der alten Route zwischen Prag und Breslau verläuft. Leider hat die Straße viele Schäden in den 50er und 60er Jahren des 20. Jh. erlebt, als man die historischen Häuser abtragen musste. Auf den Gebäudewänden waren auf einmal Risse und Brüche zu sehen. Die Ursache davon war der durch das von der Festung abfließende Wasser ausgespülte Untergrund und die unterirdischen Kellergeschosse. Die in den 60er und 70er Jahren vorgenommenen Sicherungsmaßnahmen der Kellergeschosse haben es ermöglicht nur einen Teil der Altstadt von Glatz zu retten. An der Tschechischen Straße ist ein interessantes Beispiel der städtischen Architektur erhalten geblieben, die nicht nur von den Bürgern sondern auch vom Adel gebaut wurde - ein Palast aus dem 17. Jh., des aus Irland und Wales stammenden Adelsgeschlechts Wallis. Hier hielt 1800 die preußische Königin Luise, als sie Glatz besuchte und von 36 Kanonenschüssen begrüßt wurde. Die Straße führte einst zu einem der Stadttore - České bráně.

Wenn wir am Straßenende links einbiegen, kommen wir zur Straße der Polnischen Heimatarmee. Auf der linken Seite können wir erhaltene Teile von Portalen einiger historischer Häuser sehen. Auf diesen sind Reliefs zu sehen - Schere und Hemd oder Leibrock - Symbole von Schneidern und Tuchmachern.

Wir gehen weiter nach rechts in die Museumsstraße bis zur Traugutt-Straße. Hier am Rande des Parks befindet sich eine interessante Sehenswürdigkeit - ein Stein mit Hutrelief, der als „Napoleon-Stein“ bezeichnet wird.  Legenden besagen, dass er an die Stelle erinnert, wo im Wind Napoleon seinen Hut verloren hat. Jedoch kam der französische Kaiser nie nach Glatz. In Wirklichkeit ist dies ein Denkmal für die Gebietserrungenschaften Deutschlands in Afrika und der Hut stellt die Kopfbedeckung des deutschen Kolonialheeres in den Tropen dar. Das Denkmal wurde am 19. September 1937 auf Initiative des örtlichen Deutschen Kolonialkriegerbundes enthüllt. Die heute verwaschene Inschrift lautete: „Gedenkt unserer Kolonien”.

Unweit der Kreuzung mit der heutigen Straße des Polnischen Heeres befand sich eins das sog. Grüne Tor. Wenn wir nach links auf die Mauer der Bolesław-Chrobry-Oberschule schauen, sehen wir eine auf einem offenen Buch liegende Marmorkatze. Das ist der Held des Kindermärchens „Geheimnis und Zauberei von Glacella“ “, welches von Łada Ponikowska und Marta Zilbert geschrieben wurde. Andere Katzen, die mit den Büchern der Glatzer Schriftstellerinen verbunden sind, können wir beim weiteren Rundgang sehen.

Auf der rechten Seite auf einer kleinen Grünanlage befindet sich ein Erinnerungsstein, dort stand die Glatzer Synagoge, die in der Kristallnacht am 9./10. November 1938 von Nazitruppen abgebrannt wurde.

Wenn man sich nach unten entlang der Zawisza-Czarny-Straße begibt, geht man auf der linken Seite an einem charakteristischen Schulgebäude aus dem Jahr 1910 vorbei, mit interessant verzierten Portalen und einer Sternwartenkuppel. Auf der rechten Seite der Mauer der Privatschule sehen wir die märchenhafte Bettlerkatze und am Schuleingang noch eine - in einer Stundentenmütze auf dem Kopf. Über den Mühlengrabensteg kommen wir zur Daszyński-Straße.

Nach paar Schritten rechts sehen wir ein modernes Glasmonument mit der Werbung einer Versicherungsgesellschaft, in dem die Geheimnisse vergangener Zeiten verborgen sind. 1902 haben deutsche Einwohner von Glatz hier das Denkmal des Generals Friedrich Wilhelm von Götzen errichtet. Mit dem Monument wollten die Glatzer ihre Dankbarkeit für den Schutz der Stadt während der napoleonischen Kriege zeigen. 1949 wurde das Denkmal des Grafen von Götzen in ein Symbol der polnisch-sowjetischen Freundschaft und Dankbarkeit für die Rote Armee umgewandelt. Nach 1989 wurde der sich an der Spitze des Obelisks befindende rote Stern entfernt und man hat das Denkmal nach dem Projekt des Breslauer Künstlers und Architekten Tomasz Urbanowicz in eine Werbesäule umgewandelt.

Wenn wir dann Richtung Altstadt entlang der Mauer des Franziskanerklosters zurückgehen, können wir Werbebanner mit interessanten Themen zur Geschichte von Glatz und der Daszyński-Straße sehen. Die Tafeln präsentieren u.a. Hochwasser, Vertreibung der Deutschen, Glatz im Film oder Glatz in der Volksrepublik Polen. Auf dem Franziskanerplatz gleich hinter dem Rücken des Hl. Franziskus von Assisi sitzen auf der Mauer zwei weitere Märchenkatzen.

Wenn wir in Richtung der Grottger-Straße gehen, sehen wir in einer Wandnische der ehemaligen Minoritenkirche eine Figur des Hl. Christophorus‘, die vom Glatzer Bildhauer Franz Wagner 1930 gefertigt wurde. Der gleiche Künstler ist auch Autor des Reliefs über dem Portal des Hauses „Zum Wolf“ an der Grottger-Straße 5.

Der Wolf wurde bekannt, als beim Jahrhunderthochwasser am 7. Juli 1997 (07.07.1997) dieser Teil der Stadt unter Wasser stand. Man hat sich dann erinnert, dass ein örtlicher Wahrsager - Filipek genannt - 1975 vorhergesagt hat, dass wenn drei Mal die Sieben im Datum steht, der Wolf Wasser trinken wird. Eine andere Prophezeiung besagt, dass bei einem noch größeren Hochwasser der Glatzer Löwe Wasser trinken wird. Leider hat Filipek nicht verraten, um welchen Löwen es geht.

Den Löwen können wir im Springbrunnen am Markt sehen, zu dem wir über die gotische Johannisbrücke kommen. Unter den auf dieser stehenden Figuren stellt die erste rechts den Hl. Franz Xaver - den Schutzheiligen von Glatz - dar. Sie wurde 1714 nach der Pest, die die Stadt heimgesucht hat, gestiftet. Den Heiligen begleiten die Gestalten von drei Kranken und einem Hindu - der die missionarische Tätigkeit des Heiligen im Fernen Osten symbolisiert.

Unseren Spaziergang beenden wir am wunderschönen barocken Springbrunnen, jdessen zentralen Teil der Glatzer Löwe mit seinem Doppelschwanz einnimmt. Die Legenden erklären die Herkunft dieser außergewöhnlichen Anatomie sehr unterschiedlich.

In Glatz gibt es noch viele interessante Orte, die es sich lohnt zu besuchen. Wahren Forscher werden diese bestimmt problemlos auffinden.