Der Marktplatz in Kłodzko stellt einen wesentlichen Bestandteil der Altstadt dar und birgt zauberhafte, sehenswerte Ecken.

Das repräsentativste und prachtvollste Gebäude auf dem Marktplatz ist das Rathaus, das jedoch nicht mehr seine damalige Handelsfunktion erfüllt. Angesichts dessen, dass viele Bauelemente aus der Vergangenheit bis zum heutigen Tag überdauerten, bezaubert das Rathaus mit seiner Vielfalt an architektonischen Stilen. Das Gebäude schmückt eine Uhr, die auf einer Skulptur des Löwen des Kłodzkoer Wappens ruht. An diesem Wappen erkennt man die Verbindung der Stadt mit Tschechien. Das Kłodzkoer Rathaus überragte - wie es in vielen Städten der Fall ist - in seiner Pracht jahrhundertelang alle anderen öffentlichen Einrichtungen. Das Datum der Erbauung des Rathauses ist unbekannt, es gibt jedoch Hinweise, die auf das Jahr 1324 deuten - das Jahr, in dem die Vogtschaft aufgekauft wurde. Auch das ursprüngliche Aussehen des Rathauses ist unbekannt, denn wie aus den Chroniken der Stadt hervorgeht, wurde es bereits 1366 durch einen Brand zerstört. Später wurde das Gebäude noch zweimal durch Brände völlig zerstört. Der letzte verheerende Brand war am 20. September 1886. Die Arbeiten zum Bau eines neuen Rathauses begannen bereits ein Jahr später. Bauherr des gegenwärtigen Gebäudes im Neorenaissance-Stil war der bekannte Architekt aus Nowa Ruda Ewald Berger. Das Rathaus wurde Richtung Norden ausgebaut - heute nimmt es fast das gesamte Zentrum des Platzes ein. Der einzige noch erhaltene Teil des damaligen Rathauses ist der viereckige Turm, der aus der Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock stammt. Die Fassade des Rathauses ist im Hinblick auf die Baustile nicht einheitlich gehalten. Vielmehr wurden verschiedene architektonische Elemente miteinander vermischt.

Jahrhundertelang war das Rathaus der zentrale Punkt der Stadt. Dort arbeiteten üblicherweise die städtischen Machthaber. Ab 1906 beherbergten zwei seiner Räume das neu gegründete Museum. Gegenwärtig neben dem Stadtamt gelegen, befinden sich in seinem Inneren auch eine Bibliothek und ein Lesesaal.

Springbrunnen - Am Haupteingang des Rathauses befindet sich ein Springbrunnen. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts legten die Bewohner Kłodzkos hier einen Brunnen an. Der heutige öffentliche Brunnen stammt aus dem 17./18. Jahrhundert. Sein charakteristischstes Element ist eine große Muschel, die auf vier Delfinen ruht. Auf diese Muschel wiederum stützt sich auf dem Wappenschild der böhmische Löwe mit seiner Krone. Die Figur des Löwen ist auch auf dem Kłodzkoer Wappen zu finden. Das Wappen stammt von dem böhmischen Herrschergeschlecht der Přemysliden ab. Kłodzko gehörte vom 12. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert zu dem böhmischen Herrschaftsgebiet. Der Springbrunnen ist besonders im Abendlicht schön anzusehen.

Nicht weit vom Springbrunnen entfernt, in südlicher Richtung, befand sich einst der städtische Pranger. 1551-1552 erbaut, wurde er zum Hauptsymbol für die Gesetzlichkeit in Kłodzko. In den Chroniken ist überliefert, dass dort viele Prügelstrafen vorgenommen wurden. Viele Menschen, die auf diese Weise bestraft wurden, vor allem Diebe, vertrieb man daraufhin für immer aus der Stadt. Der Pranger wurde schließlich Anfang des 19. Jahrhunderts entfernt. 2011 wurde auf dem Kłodzkoer Marktplatz erneut ein Pranger an genau der Stelle errichtet, an der sich der mittelalterliche Pranger befand. An der Spitze des Prangers in Kłodzko befindet sich ein kleiner Dieb, der einen Sack voller Diebesgut auf dem Rücken trägt.

An der Westseite des Rathauses steht eine Votivfigur der Heiligen Jungfrau Maria. Sie erinnert an zwei tragische Ereignisse, die die Stadt durchlebte. Zunächst wurden viele Gebäude, darunter u.a. die Kłodzkoer Taverne, durch einen schweren Brand im Jahr 1676 zerstört. Daraufhin wurde die Stadt im Frühling 1680 von der Pest heimgesucht, die in knapp 10 Monaten 1479 Stadtbewohnern das Leben kostete. Um weitere Unglücke zu vermeiden, beschlossen die Kłodzkoer Jesuiten, die Stadtregierung und Jerzy Ignacy Pachy - der Pfarrer von Różanka, auf dem Marktplatz eine Säule mit der Figur der Heiligen Jungfrau Maria zu stiften. Dabei handelte es sich um ein festes Motiv, das in der Barockzeit beinahe in ganz Europa verwendet wurde. Die erste Säule dieser Art entstand bereits 1614 in Rom. Sie war von Papst Paul V. gestiftet worden. Auch Kaiser Ferdinand III., der gleichzeitig ein Dekret darüber erließ, dass die kaiserlichen Länder sich unter den Schutz der Jungfrau Maria stellen sollten, stiftete zwei Mariensäulen: 1647 in Wien und 1650 in Prag. Die Mariensäule in Prag diente allem Anschein nach als Vorlage für die Kłodzkoer Säule. Die barocke Mariensäule war ein Bestandteil des umfangreichen architektonischen Programms der Kłodzkoer Jesuiten. Maria wird in betender Haltung während der Verkündigung des Herrn dargestellt. Das ist jedoch kein Zufall. Die Stifter hatten dies so gewünscht, da der große Brand an Mariä Verkündigung ausgebrochen war. Das Denkmal war folglich ein Votiv für die Rettung der Stadt vor der Pest und vor Bränden. Die Säule ist von einer Balustrade aus Stein umgeben, in deren Mitte sich eine Pforte mit vier Sockeln befindet, auf denen die Heiligen: Franz Xaver, Karl Borromäus, Rochus von Montpellier und Sebastian stehen. Sie sollten als Patrone zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten dienen. Unter dem zentralen Punkt befindet sich eine Nische mit einer liegenden Figur der hl. Rosalia, über die die Statuen des Erzengels Gabriel, des Schutzengels der Stadt und des hl. Florian und Josef wachen. Der wichtigste Teil dieses Denkmals ist jedoch die hohe Säule mit einem separaten Sockel, auf dem sich die Figur der Allerheiligsten Jungfrau Maria befindet. Die Balustrade war ursprünglich mit einem Gitter mit zwei Habsburger Adlern verschlossen. Dieses befindet sich gegenwärtig im Museum des Glatzer Landes. Urheber des Denkmals waren der Kłodzkoer Bildhauer Jan Adam Bayerhoff und der Schlosser Jan Scholz. Es handelt sich dabei um eines der ältesten Objekte dieser Art im Glatzer Land.

Kriege und Epidemien waren bis zum Ende der Neuzeit für Kłodzko ein wahrhaftes demografisches Desaster. Aufgrund des Dreißigjährigen Krieges verringerte sich die Bevölkerungsanzahl der Hauptstadt der Grafschaft um fast die Hälfte. Allein der Pest, die 1633 in der Grafschaft ausbrach, fielen innerhalb von knapp 16 Wochen 4284 Personen zum Opfer.

An dem Ort, an dem sich heute die Genossenschaftsbank befindet, existierte einst eine Taverne. Es ist nicht genau bekannt, wann sie entstand, möglicherweise handelte es sich anfangs um ein altes herzogliches Wirtshaus. Als ältestes Wirtshaus in der städtischen Gemeinde hatte es in der Vergangenheit eine große Bedeutung für die Entwicklung der städtischen Bierbrauerei. Die Kłodzkoer Taverne war jedoch nicht nur ein herkömmliches Wirtshaus. Sie spielte außerdem eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der Stadt. Hier befand sich die erste weltliche Bibliothek der Stadt und das separate „Kämmerlein für die Herren“ bot den städtischen Ratsherren Raum für ihre Arbeit. Ab dem 18. Jahrhundert diente das Innere der Taverne als Bühne für zahlreiche Theatergruppen, weshalb sie schon bald als „städtischer Tempel der Musen“ bezeichnet wurde. An diesem Ort fanden die „gebildeten Stände“ durch zahlreiche Operettenvorstellungen und Theaterstücke Vergnügen und Erholung. Am 2. März 1881 wurde in diesem Gebäude die Hauptversammlung des „GLATZER GEBIRGSVEREINS“ abgehalten. An dieses Ereignis erinnert eine Gedächtnistafel, die an der Außenfassade des Gebäudes angebracht ist.

Die ersten Dokumente über die Bierbrauerei in Kłodzko stammen aus dem 14. Jahrhundert. Dank der langen Lagerungszeit in den dafür bestens geeigneten tiefen, mehrstöckigen Kellern, erlangte das Kłodzkoer Bier eine sehr hohe Qualität. Jahrhundertelang war das Bier auch die Haupteinkommensquelle der Kłodzkoer Bürger. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb Kłodzko ein wichtiges Zentrum der Bierbrauerei in der Region.