Der Spaziergang entlang der Route der sakralen Denkmäler von Kłodzko beginnt am Fuße der Festung, die den Platz der Burg auf dem Festungsberg einnahm. Von den ehemaligen Denkmälern wie der Kirche Sankt Martin, Sankt Wenzel und dem Augustinerkloster bleibt heute keine Spur.

Von der nördlichen Frontfassade des Marktes aus geht man in Richtung ul. Łukasińskiego. Hierbei handelt es sich neben der ul. Czeska um die älteste Straße der Stadt. Sie trug früher den Namen Ząbkowicka und liegt auf dem Weg von Prag nach Breslau. Dort errichtete der Souveräne Malteserorden im 12. Jahrhundert ein Krankenhaus und eine Kapelle. Gegenwärtig befinden sich dort die Hl. Georg- und Hl. Adalbert- sowie Christkönig-Kirche und das Klarissenkloster. Die von dem Kłodzkoer Grafen Heinrich dem Älteren gestiftete Kirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut, aber mehrfach um- und ausgebaut. Jahrelang war sie kein besonders beliebtes Ausflugsziel, dies änderte sich jedoch vor kurzem völlig. Unter den Farbschichten, die das Gewölbe bedecken, wurden 2015 vergessene Fresken des berühmten Barock-Malers Karl Dankwart entdeckt, Hofmaler des Königs Johann III. Sobieski und u.a. Urheber der gemalten Dekoration in der Kirche auf der Jasna Góra in Częstochowa. Die wertvollen Kłodzkoer Fresken werden derzeit von Spezialisten enthüllt, konserviert und erforscht.

Kehrt man über dieselbe Straße ins Zentrum zurück, passiert man auf der linken Seite die Kapelle Sankt Maria Magdalena, errichtet im 19. Jahrhundert im Rundbogenstil als Teil eines ehemaligen städtischen Krankenhauses. An der Fassade auf der Höhe der zweiten Etage ist eine Figur des Guten Hirten zu sehen. In der Kapelle werden am ersten Sonntag des Monats Tridentinische Messen abgehalten, d.h. Messen im traditionellen römischen Ritus.

Auf dem Markt biegt man links auf die gotische Brücke Sankt Johannes der Täufer ab, deren Bau Ende des 13. Jahrhunderts begann. Auf den Balustraden befinden sich 6 Barockfiguren, weshalb sie mit der Karlsbrücke in Prag verglichen wird. Die Pieta aus dem Jahr 1655 ist die älteste Figur, die übrigen Figuren wurden Anfang des 18. Jahrhunderts gestiftet. Sie stellen den hl. Wenzel, König von Böhmen, der vor Überflutungen schützen soll, hl. Johannes von Nepomuk – den Prager Domkapitular, der auf Befehl des böhmischen Königs in der Moldau ertränkt wurde, hl. Franz Xaver – den Schutzheiligen von Kłodzko, die Kreuzigung, und die Dreifaltigkeit mit der Krönung der Heiligen Jungfrau Maria dar. Die letzte Gruppe wurde von Freiherrn Franz Ferdinand von Fitschen als Votiv gestiftet, um für das Verbrechen seines Vaters Otto zu büßen, der seine Frau Barbara ermordet hatte.

Von der Brücke in Młynówka steigt man zur Sandinsel hinunter. Die regelmäßige Form der Kirche der Franziskaner, die sich im 13. Jahrhundert hier niederließen, bildet eine malerische Schließung der Perspektive von der Brücke aus. Außerhalb der Stadtmauern wurden die Klostergebäude durch Kriege und Überflutungen mehrfach zerstört. Der Bau der heutigen Maria-Rosenkranz-Kirche begann im Jahr 1629, die Fertigstellung dauerte jedoch sehr lange. Der Ausbau des Klosters dauerte bis 1731. Bereits 1783 überflutete eine weitere große Flutwelle das Kloster, und an den Kirchenmauern sind noch die Spuren der letzten Überflutung im Jahr 1997 zu sehen. Das gewaltige innere Refektorium (10mx18m) ist besonders interessant. Auf dem Gewölbe sind Fresken aus dem Jahr 1744 erhalten, die Felix Anton Scheffler, der auch der schlesische Rafael genannt wird, schuf. Die Gemälde stellen die Heilige Dreifaltigkeit, die heilige Jungfrau Maria, den heiligen Franz von Assisi und andere Heilige, die Väter der Kirche, Märtyrer und Gläubigen dar und sie erklären die Organisation des Ordens der Minderen Brüder, der aus drei Orden besteht: den Franziskanern, Klarissen und den säkularen Terzianern.

Von der Sandinsel über den Franziskaner-Platz, auf dem sich die Figur des Schutzheiligen des Ordens befindet, gefolgt von der ul. Daszyńskiego und durch den Sybiraków-Park gelangt man zu der Treppe, die von der ul. Zawiszy Czarnego zur Jesuitenkirche auf dem Kościelny-Platz führt. Die gotische Stiftskirche Heilige Jungfrau Maria ist derzeit das älteste Gotteshaus der Stadt. Der Grundstein wurde noch 1344 auf Initiative des Prager Bischofs Ernst von Pardubitz gelegt. Auf seinem Sterbebett hinterließ er 1364 für den Bau der Kirche eine bedeutende Summe. Als Jugendlicher war der zukünftige Erzbischof Schüler der Johanniter-Schule in Kłodzko, war aber kein besonders gewissenhafter oder religiöser Schüler. Der Legende nach änderte er sein Verhalten komplett und widmete sich dem Dienst Gottes, als die Madonna auf dem Bild auf dem Altar ihren Kopf von ihm wandte. In der Kirche befinden sich ein Grabplatte und eine weiße Marmorfigur des knienden Erzbischofs Ernst, die der deutsche Bildhauer Johann Janda 1864 geschaffen hatte. Aus dem mit Ernst von Pardubitz verbundenen Augustinerkloster stammt die Kapelle der Madonna mit dem Spatz, die an die Kirche angrenzt - eine hochwertige Holzskulptur aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1624, als Kłodzko nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder unter die Herrschaft der katholischen Habsburger kam, ging das gotisches Gotteshaus in die Hände der Jesuiten über, die mit dem mühsamen Wiederaufbau begannen. Dadurch veränderte das strenge Innere der Stiftskirche seinen Charakter durch eine außergewöhnlich reiche Barockausstattung. An zentraler Stelle befindet sich der Hauptaltar (1727-1729), dessen Urheber der Jesuit Christopher Tausch aus Wrocław ist. Im Altar unter dem Baldachin befindet sich eine reich verzierte gotische Madonnenfigur aus Lindenholz aus dem Jahr 1450. Zwischen den Öffnungen der Empore befinden sich die Büsten der 14 Schutzheiligem von Kłodzko. Zu den besonders wertvollen Elementen des Inneren gehören die Schöpfungen des Bildhauers Michael Klahrs des Älteren: die Kanzel, Beichtstühle und das Orgelprospekt.

Von der Mariä-Himmelfahrt-Kirche aus geht man entlang dem ehemaligen Jesuitenkollegium auf einer Straße, die den Namen des seliggesprochenen Gerhard Hirschfelders trägt. Dieser deutsche Priester, Jugendseelsorger im Glatzer Land und Gegner des Nationalsozialismus wurde 1941 verhaftet und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, wo er starb.

Der Spaziergang entlang der Route der sakralen Denkmäler endet an der spätbarocken Mariensäule an der Westseite des Rathauses. Nach dem Stadtbrand und der Pest in Kłodzko wurde die Figur der Jungfrau Maria 1680 von Stadträten, Jesuiten und dem Pfarrer von Różanka gestiftet. Der Erzengel Gabriel, der Schutzengel, der heilige Josef und der heilige Florian umgeben Maria auf einer hohen Säule. Auf den unteren Eckpodesten stehen vier Heilige – die Patrone, die vor ansteckenden Krankheiten schützen: Franz Xaver, Karl Borromäus, Rochus von Montpellier und Sebastian. In der Nische befindet sich eine Skulptur, die die schlafende hl. Rosalia darstellt – sie ist ebenfalls eine Schutzheilige, die vor der Pest schützt. Mariensäulen waren typisch für die Kunst der Habsburgermonarchie im 17. und 18. Jahrhundert. Interessanterweise war die Säule von Kłodzko der 1650 in Prag errichteten Säule nachempfunden, die 1918 von einer Menge anti-habsburgischer Demonstranten zerstört wurde.

Die ausdauerndsten Liebhaber sakraler Kunst können sich von der Mariensäule aus auf einen weiteren Ausflug begeben, auf dem sie den Spuren der zahlreichen Skulpturen, Statuen und Kapellen in der Stadt und der Umgebung folgen.